Druckluftwissen


Druckluft verstehen, messen und effizient betreiben – Interview mit Dominik Zumsteg


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Druckluft zählt zu den teuersten Energieformen in der Industrie – und gleichzeitig zu den am wenigsten transparenten. Viele Systeme sind historisch gewachsen und werden im Alltag kaum hinterfragt. Dominik Zumsteg erklärt im Gespräch, warum fundierte Messdaten der Schlüssel zu mehr Effizienz sind und wie sich versteckte Verluste systematisch aufdecken lassen.



 

Dominik, viele Unternehmen wissen, dass Druckluft teuer ist. Trotzdem wird oft wenig unternommen. Woran liegt das?

Das liegt häufig daran, dass die nötige Transparenz fehlt. Druckluft ist zwar im Betrieb allgegenwärtig, aber ihre tatsächliche Nutzung wird selten detailliert erfasst. Ohne effektive Daten ist es schwierig zu beurteilen, ob ein System effizient arbeitet oder nicht. In vielen Fällen verlässt man sich auf Erfahrungswerte oder Sicherheitsreserven, was dazu führt, dass Anlagen dauerhaft überdimensioniert oder ineffizient betrieben werden.

 


 

Du sprichst oft davon, dass man zuerst messen muss. Was bedeutet das konkret?

Konkret bedeutet das, dass man den Volumenstrom im System erfasst und über einen gewissen Zeitraum aufzeichnet. Nur so lässt sich nachvollziehen, wie sich der tatsächliche Druckluftbedarf im Betrieb verhält. Diese Lastprofile sind entscheidend, um die Erzeugung sinnvoll auf den Verbrauch abzustimmen. Ohne diese Grundlage besteht die Gefahr, dass Kompressoren permanent im Teillastbereich oder mit unnötigen Reserven laufen.

 


 

Was lässt sich aus solchen Messungen typischerweise ableiten?

Sehr viel. Man erkennt beispielsweise, ob es ausgeprägte Lastspitzen gibt oder ob der Verbrauch relativ konstant ist. Ebenso wird sichtbar, ob ausserhalb der Produktionszeiten weiterhin Druckluft bezogen wird – was oft ein Hinweis auf Leckagen ist. Solche Erkenntnisse sind zentral, um die Steuerung der Kompressoren zu optimieren und das Gesamtsystem effizienter auszulegen.

 


 

Leckagen sind ein bekanntes Thema. Wo liegt hier die grösste Herausforderung?

Die Herausforderung liegt darin, dass viele Leckagen lange unentdeckt bleiben. Sie entstehen schleichend und sind in frühen Stadien weder sichtbar noch hörbar. Genau deshalb reicht es nicht aus, sich auf das Gehör zu verlassen. Wir setzen gezielt Ultraschallmessgeräte ein, mit denen sich auch kleinste Undichtigkeiten detektieren lassen, noch bevor sie akustisch auffallen.

 


 

Wie funktioniert diese Ultraschall-Leckageortung in der Praxis?

Strömende Druckluft erzeugt im Bereich einer Leckage charakteristische Ultraschallfrequenzen. Diese liegen ausserhalb des hörbaren Bereichs, können aber mit entsprechenden Messgeräten zuverlässig erfasst werden. Dadurch lassen sich Leckagen sehr präzise lokalisieren. Der grosse Vorteil ist, dass man systematisch vorgehen kann und nicht auf Zufall oder offensichtliche Geräusche angewiesen ist.

 


 

Welche Rolle spielt die Kombination aus Messung und Leckageortung?

Beides ergänzt sich ideal. Die Volumenstrommessung zeigt, wie hoch der Gesamtverbrauch ist und wie er sich zeitlich verteilt. Die Leckageortung geht dann einen Schritt weiter und identifiziert konkrete Verluststellen im System. Erst durch diese Kombination entsteht ein vollständiges Bild, auf dessen Basis sich gezielte Massnahmen ableiten lassen.

 


 

Wo siehst du in der Praxis die grössten Einsparpotenziale?

Die grössten Potenziale liegen meist in der Summe vieler Einzelmassnahmen. Dazu gehören die Reduktion von Leckagen, die Anpassung des Systemdrucks an den tatsächlichen Bedarf sowie die Optimierung der Steuerung der Kompressoren. Entscheidend ist dabei, dass diese Massnahmen nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer im Kontext des gesamten Systems. Zusätzlich lassen sich mit einfachen Massnahmen, wie z.Bps. einem Air-Saver schnell und preiswert Energiekosten reduzieren.

 

Anmerkung: Den Air-Saver haben wir bereits in diesem Blogbeitrag   vorgestellt. 

 


 

Was unterscheidet eine fundierte Analyse von einer schnellen Optimierung?

Eine fundierte Analyse basiert auf realen Betriebsdaten und betrachtet das System ganzheitlich. Es geht nicht nur darum, einzelne Komponenten zu verbessern, sondern das Zusammenspiel aller Elemente zu verstehen. Schnelle Optimierungen können kurzfristig helfen, greifen aber oft zu kurz, wenn die grundlegenden Zusammenhänge nicht berücksichtigt werden.

 


 

Was würdest du einem Unternehmen raten, das seine Druckluftkosten nachhaltig senken möchte?

Der erste Schritt ist immer, Transparenz zu schaffen. Wer seine Verbräuche kennt und versteht, kann gezielt handeln. Die Kombination aus Volumenstrommessung und moderner Leckageortung schafft die notwendige Transparenz, um versteckte Verluste aufzudecken und gezielt zu reduzieren.

Darauf aufbauend sollte man das System regelmässig überprüfen und anpassen. Druckluft ist kein statisches Thema – Anforderungen verändern sich, und entsprechend sollte auch das System kontinuierlich überprüft und optimiert werden.




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